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Akademie St. Pölten verpflichtete Horns Top-Talent Thierry Tazemeta per Zwangserwerb.

Thierry Fidjeu Tazemeta – ein klingender Name in Horn. Der gebürtige Kameruner verzückte einst das Horner Fußball-Publikum. Thierry Fidjeu Tazemeta heißt auch sein Sohn. Der Zwölfjährige, der bisher in Horns U13 kickte, gilt als vielversprechendes Talent. Das entging auch der Akademie St. Pölten nicht, die Tazemeta junior zwangsverpflichtete. Der bald 13-Jährige soll zunächst im „Future Team“, einer Art Vorfeld-Team der Akademie eingesetzt werden. So weit, so gut.

Dieser Vorgang versetzte allerdings Horn-Präsident Thomas Kronsteiner in Rage. Nicht nur, dass Horn mit lediglich 675 Euro Ausbildungskosten abgespeist wurde, verstört Kronsteiner das Vorgehen des Verbandes. Gegen Zwangsverpflichtungen, wie sie im Reglement verankert sind, hätte er nichts. Dass diese allerdings von der Akademie, quasi dem Verband, auf diese Art und Weise durchgezogen werden, sei für ihn eine „Farce“. „Der Verband wird von den Abgaben der Vereine erhalten. Der Verband muss für seine Vereine da sein und nicht gegen sie arbeiten.“

NÖFV-Präsident Johann Gartner weiß, dass die Optik keine gute ist, zeigt sich aber vom Vorgehen Kronsteiners überrascht: „Ich habe mit ihm gesprochen und ihm eigentlich zugesichert, dass wir an einer Lösung arbeiten.“

Wie die konkret aussehen kann? Laut Gartner sollen Akademie-Geschäftsführer Alexander Gruber und Horns NLZ-Leiter Patrik Schuch in den „nächsten zwei, drei Monaten“ einen Entwurf erarbeiten, damit solche Fälle in Zukunft vermieden werden. Soll heißen: 2. Liga-Vereine sollen Spieler nach der Akademie entweder wieder mit einer festgeschriebenen Ablösesumme zurückholen können oder sollen an einem Weiterverkauf beteiligt sein. „Das alles soll jetzt konkret erarbeitet werden“, so Gartner.

Was Kronsteiner ebenso anprangerte: „Von der Akademie werden die Spieler dem SKN St. Pölten zugeführt. Ich sehe nicht ein, dass hier ein zukünftig möglicher Konkurrent vom Verband bevorzugt wird.“ Gartner verteidigt diese Vorgehensweise: „Um Top-Talente der Akademie vor einem internationalen Zugriff zu schützen (Anm.: sprich, dass dem Verband diese Talente billig weggeschnappt werden), braucht es einen Jungprofi-Vertrag. Den kann eine Akademie nur mit einem Verein aus der Tipico Bundesliga schließen. In diesem Fall hat die Akademie St. Pölten eine Kooperation mit dem SKN St. Pölten. Das ist keine Liebesbeziehung, sondern zweckmäßig“, so Gartner, der Horn sportlichen Erfolg wünscht: „Ich habe Thomas Kronsteiner gesagt, dass Horn aufsteigen soll. Dann ist so eine Kooperation auch mit Horn möglich.“ In Horn sieht man die Dinge anders. Beim hauseigenen NLZ, das am Standort Hollabrunn betrieben wird, liefe es anders, wie Kronsteiner erklärt: „Wir schließen mit allen Spielern und deren Stammverein einen Leihvertrag ab.“ Nach der Ausbildung könne Horn den Spieler entweder erwerben, oder er geht kostenlos zurück zum Verein. So ein Vorgehen, dass die Spieler quasi vom Stammverein geliehen werden, würde sich Kronsteiner auch bei den Akademien wünschen.